Weltoffenheit zu zeigen, ohne zu vergessen, woher man kommt. Kosmopolitentum mit starken regionalen Wurzeln: Person und Musiker Wolfgang Puschnig verkörpern diese essenzielle, oft als blosses Schlagwort strapazierte Bipolarität in tatsächlich exemplarischer Art und Weise. Was ihn seit Anfang der 80er Jahre nicht nur zu einem Aushängeschild, sondern zu einem Modellfall des europäischen Jazz hat avancieren lassen.
Österreichs südlichstes Bundesland Kärnten war für Puschnig der Sozialisations-Urgrund, das Substrat seines musikantischen Denkens und Empfindens, situiert im Schnittpunkt von germanischer, slawischer und romanischer Kultur und Sprache. Hier, in Klagenfurt (slowenisch Celovec) wurde er am 21. Mai 1956 in diese Welt gesetzt, hier verlebte er auch seine musikalisch von Volksliedern – gesungen wurde bei uns immer! – Jazz und jeder Menge anderer Musik geprägten Jugendjahre.
Als frisch gebackener Maturant, im Herbst 1974, gewaschen nur mit den Wässerchen der Erfahrung in der Klagenfurter Underground-Band Sokrates Sixtinic Bongoloids und in einer Amateur-Theater-Gruppe, kehrte er dem heimatlichen Karawankenland den Rücken, um in der fernen Bundeshauptstadt sein Glück zu machen. Puschnig inskribierte Musikwissenschaft und Englisch an der Universität Wien, das klassische Flöten-Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst brach er nach Problemen mit dem Ansatz ab. Stattdessen tat er sich als Saxophonist in der hiesigen Jazz-Szene um.