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Zu ebener Erde und im ersten Stock

Im Erdgeschoß trommeln Schlagwerker für ihre Zukunft, im ersten Stock wird diskutiert, ob eine solche zulässig ist. Posse, frei nach Johann Nepomuk Nestroy.

Wien (28. November 2013) – Diskussionen über Kulturpolitik müssen nicht in langatmige Vorträge über ideologische Grundsätze ausarten. Akademisch korrekte Steinigungen mit oder ohne Augenzwinkern sind eine ebenfalls beliebte Variante, besonders wenn die Tatsachen nicht ins vorgefertigte Bild passen. Was geschah wirklich bei der gestrigen Debatte in der Wiener Musikuniversität? Ein einseitiges Kurzprotokoll.

Diskussion zur Kulturpolitik Podium

Die Launen des Unglücks

Literat, bekannt aus Film, Funk und Fernsehen, bezeichnet sich selbst gleich zu Beginn als „zukünftig toter Künstler“, auf den dann alle Österreicher bedenkenlos stolz sein können. Zustimmendes Gelächter von allen Seiten, gefolgt von längeren Glaubensbekenntnissen weiterer Podiumsgäste: Ja zur Kultur. Unsere Version von Politik ist die richtige . . .

Moderator, plötzlich konkret werdend, fragt bisher schweigenden Interessenvertreter nach dem Stand der Berücksichtigung österreichischen Schaffens durch den ORF, insbesondere bei Ö3. – Antwort: Ergebnis der jahrelangen Verhandlungen ist eine verschärfte Diskriminierung und Zensur. Massenprogramme würden mit importierten, spekulativen Produktionen zugemüllt.

Musikproduzent im Publikum erhebt sich und fordert die Erfüllung des Kulturauftrags. ORF muß Plattform für Musik aus Österreich sein.

ORF-Stiftungsrat im Publikum mahnt, mit dem ORF-Bashing aufzuhören.

Moderator, etwas unangenehm berührt, möchte zum Thema (?) zurückkehren.

Interessenvertreter stellt fest, man sei genau beim Thema, auch angesichts der Geheimverhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen USA und EU und der zu erwartenden vollständigen Marktbeherrschung.

Musiker aus dem Publikum bedauert den mangelnden Zugang zu eben diesem. Kleine Veranstalter ebenso wie Massenmedien seien betroffen. Im eigenen Land werde man gering geschätzt. Hier müsse Kulturpolitik ansetzen!

Moderator moderiert, das könne man hier und jetzt nicht klären, es sei Gegenstand einer anderen Diskussion. Vielleicht. – Das Publikum ist nun am Wort.

Diskussion zur Kulturpolitik 2013 Publikum

Journalist will von den anwesenden Insidern eigentlich nur erfahren, wer das Kulturressort in Hinkunft leiten wird.

Musiklehrer erzählt aus der Praxis, die junge Generation kenne Georg Danzer nicht mehr. Das sei ein bedenklicher Verlust.

Student der Kulturwissenschaft (?) hält das nicht für weiter tragisch.

Journalist weist auf Generationswechsel hin und erwähnt Andreas Gabalier namentlich.

Kulturwissenschaftler warnt vor Quote und Elitenbildung. Das Publikum entscheide doch, was es hören wolle. Niemand habe das Recht, sich ein Urteil über wertvolle oder wertlose Kunst anzumaßen, vor allem nicht der Interessenvertreter.

Schauspieler setzt das Kuratorenmodell dagegen, welches dann zu beenden wäre.

Interessenvertreter besteht auf dem Recht jedes Menschen, vielfältige Kunst zu erleben und zu beurteilen. Aber geballte Marktmacht diktiere, was wir hören und sehen dürften.

Moderator möchte zuerst die Frage klären, welche Kulturpolitik die Parteien machen wollen.

Frühere Kulturministerin bestätigt die Existenz von diesbezüglichen Parteiprogrammen.

Publikum verlangt mehrfach ein bedingungsloses Grundeinkommen, um den Menschen Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, ohne verhungern zu müssen.

Interessenvertreter fordert persönliche Verantwortung der Politiker und verweist auf seine Satire: Politik auf Werkvertrag – Honorar nur auf Erfolgsbasis, also: gleiches Recht für alle. Derzeit gäbe es jedoch auch für unerledigte Arbeit Politikerpensionen.

Literat zeiht ihn des Populismus. Es gehe nicht an, die Politik derart untergriffig anzugreifen.

Kunst-Universitätsrektor warnt Interessenvertreter vor Nationalismus und Protektionismus. Kunst habe offen zu sein. Quoten seien kontraproduktiv.

Musikproduzent verurteilt diese persönlichen Angriffe. Absichtliches Mißverstehen als durchsichtiges Ablenkungsmanöver: „Das ist peinlich!“

Ehemalige Kulturministerin verteidigt das Recht auf Satire. „Es ist doch völlig klar, wie es gemeint war.“

Moderator bedankt sich bei allen Anwesenden. Theoretiker wollen noch beschließen, die Titanic sei unsinkbar und könne eo ipso nicht untergehen. – Die Trommeln im Erdgeschoß sind inzwischen verstummt. [Vorhang]


PS: Nächstes Thema im Institut für Kulturmanagement der Uni Wien: Gender talks – Gender and beyond [teilweise SW, mit deutschen Untertiteln], Di., 3. Dezember 2013, 18:30 Uhr. pps

Zum Nachlesen: Werkvertrag für die Regierung

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