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Werkvertrag für die Regierung

Da tritt der Österreicher jeden, denkt nur zum Teil und läßt sonst niemand reden… (Franz Grillburger, bereits tot) - Ein Rückblick bis zum Jahr 1996. Was hat sich geändert?

Unsere geschätzte Bundesregierung kennt sich mit den Gesetzen, die sie so beschließt, selber nicht recht aus. Klassenvorstand Prof. Franzsky hat seine Schutzbefohlenen daher zu einer Nachschularbeit eingeladen. Die Themen: Werkvertrags-Chaos, Rechtschreib- und ORF-Reform. Solidarisch, wie wir nun einmal sein müssen, drücken wir den Damen und Herren die Daumen, wenn wir auch jetzt schon wissen: Es wird vergeblich sein – aber sicher nicht umsonst. Aber was kann man auf dem Boden der Unwirklichkeit schon erwarten? Nach kurzem Nachdenken schlage ich – quasi als Förderkurs für Minderbegabte – drei ebenso praktikable wie unrealistische Lösungen für die unbefriedigende Lage vor:

1.) Um den Regierungsmitgliedern und Parlamentariern vor Augen zu führen, was es heißt, bei der momentanen Gesetzeslage auf Werkvertragsbasis zu arbeiten, werden sie gekündigt – und gleich darauf mittels Werkvertrag weiterbeschäftigt. Das hat mehrere Vorteile – für uns, den vermeintlichen Dienstgeber. Der gravierendste liegt auf der Hand: Wer einen Werkvertrag eingeht, schuldet dem Auftraggeber den Erfolg. Das Werk muß gelingen, sonst gibt's keine Kohle [und auch keinen Koks]!

Selbstverständlich handelt sich bei obigem Werkvertrag um einen dienstnehmerähnlichen, das steht außer Diskussion. Das Werk wird ständig am gleichen Ort vollbracht: am Ballhausplatz, in den Ministerien und im Hohen Haus; und die Werkvertragsnehmer arbeiten vorwiegend für einen einzigen Dienstgeber: für uns! Es besteht demnach Versicherungspflicht, die jedoch wegfällt, wenn die Betroffenen glaubhaft nachweisen können, daß sie auch noch für andere Auftraggeber werken, wie zum Beispiel für mehrere multinationale Konzerne, für die Waffenindustrie oder die Mafia, einerlei ob italienisch oder russisch-orthodox. Zieht man zusätzlich zur Sozialversicherungsprämie noch die obligate Einkommenssteuer-Vorauszahlung in Höhe von 20 Prozent ab, bleibt den Politikern nur mehr die Hälfte des vereinbarten Werklohnes übrig – vorausgesetzt die Arbeit war erfolgreich, sonst gibt es unsererseits ja keine Zahlungsverpflichtung. Darüber hinaus behalten wir uns natürlich vor, alle Vertragsbedingungen nachträglich und rückwirkend so abzuändern, daß sich niemand mehr auskennt.


Unsere Bundeskanzler. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Wissen aber auch nicht!

2.) Zur Rechtschreibreform Stellung zu nehmen, erübrigt sich. Denn einer vertraulichen Information des Satirischen Zentralamtes zufolge nimmt die Zahl der Analphabeten ständig zu, sodaß es schon in wenigen Jahren völlig unerheblich sein wird, ob man nun Analphabet oder Annalfabet schreibt. Wobei wir allerdings nicht anstehen, auch auf die positiven Seiten dieser Entwicklung hinzuweisen: Wer nicht schreiben kann, braucht auch nicht zu lesen.

3.) Die ORF-Reform ist ebenso schnell erledigt. Nach unserem Modell bekommen erfolglose Politiker nicht nur kein Geld, sondern auch keine Sendezeit mehr. Mangels jeden Österreich-Bezugs ändert der ORF seinen Namen in RF, entledigt sich seiner unfähigen Mitarbeiter durch die Einführung des hochauflösenden Fernsehens (PedigreePal) und geht eine Allianz mit RTL unter der Senderkennung RFRTL ein. Diese RFRTL [später wieder nur mehr RTL] versorgt das Bundesgebiet mit den wichtigsten Sportübertragungen, sodaß seitens der Zuseher keine nennenswerten Unruhen zu befürchten sind – und den leidigen Diskussionen über eine Quotenregelung ist endlich jede Grundlage entzogen, nachdem nach den heimischen Musikschaffenden auch der österreichische Rundfunk sein Dasein beendet hat. Unsere Buchtips dazu: Ö3 gehört aufgehört und Radio Wien – eine Stadt dreht durch – Bodgan Rostschutz erinnert sich.

Abschließend zur Kunst. Einer gemeinsamen Einladung der Präsidenten Leopold Mochmadannscho und Fritz Zerquetschnix (weiland) zum 1. Hornberger Künstlerschießen entnehme nicht nur ich eine gewisse Künstlerfeindlichkeit. Der Fairneß halber soll aber nicht verschwiegen werden, daß gerade dieses gezielte Treffen geeignet ist, die Zahl der toten Künstler signifikant zu erhöhen. Sind es doch vor allem die toten Kollegen, auf die der gelernte Österreicher so stolz ist. So gesehen sind alle Vorhaben unserer Bundesregierung in unserem eigenen Interesse vorbehaltlos zu begrüßen. Grüß Gott!

PS: Wenn der Teufel in Not ist, fressen ihn die Fliegen.

[alle Zitate aus Ist Virtuosität heilbar? von Prof. Peter Weg, Alter ego/WeltWeit-Verlag, zweite, ziemlich revidierte Auflage, derzeit leider etwas vergriffen]

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