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Berndt Luef Quartett

Das "Berndt Luef Quartett" war zu Konzerten im Kulturzentrum von Banja Luka eingeladen. Von der Konzertreise berichtet Berndt Luef.

Graz (30. Oktober 2004) - Das Kulturzentrum von Banja Luka - Heimatstadt unseres Gitarristen Dragan Tabakovic - liegt im Regierungsgebäude der Republika Srbska im Zentrum der Stadt und wird nach Aussage der uns betreuenden Referentin öfters privat vermietet. Mit diesen Einnahmen wird zum großen Teil das Kulturprogramm finanziert. Unser Konzert am 19. Oktober war ausnehmend gut besucht. Wir begannen um 20 Uhr und spielten hauptsächlich unser Programm Felidae. Das Publikum ging gleich vom ersten Stück an begeistert mit.

Ein am darauffolgenden Tag für 22 Uhr im Jazzclub von Banja Luka angesetztes Konzert wurde leider kurzfristig abgesagt, da es seit kurzem eine neue Sperrstundenbestimmung der Polizei gibt. Die meisten Lokale müssen um 23 Uhr schließen, und Verstöße gegen dieses Gesetz werden rigoros gehandhabt. Die diversen Nachtclubs haben hohe Auflagen oder - was ich mir eher vorstellen kann - das berühmte Vitamin "B".

Auch tags darauf gab es Komplikationen. Thorstens Auto wurde mir einer Parkkralle versehen, obwohl die Organisatoren versichert hatten, der Parkplatz sei legal. Die örtliche Polizeiorganisation schert sich allerdings nicht um irgendwelche kulturelle Veranstaltungen. Um das Fahrzeug wieder frei zu bekommen, muß man 30 KM [= 15 Euro] auf ein Konto bei der Post einzahlen, und selbst das ist mit Schwierigkeiten verbunden, da auf dem Zahlschein die Dienstnummer des Polizisten stehen muß. Dragans Aufgabe war es nun, den Ordnungshüter ausfindig zu machen. Dieser mußte persönlich am Postamt erscheinen, um die Einzahlung zu bestätigen und dann einen Kollegen anzurufen, der die Schlüssel zu der Parkkralle verwahrte. Ohne Kenntnis der serbischen Sprache wären wir da ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Die Republika Srpska

Banja Luka liegt auf 163 m in einer Talsenke im Nordosten Bosnien-Hercegowinas am Fluss Vrbas, ist mit ca. 220.000 Einwohnern die größte Stadt der Serbischen Republik und seit 1998 Regierungs- und Verwaltungssitz dieser Entität Bosnien-Herzegowinas. Die Republika Srpska wurde am 27. März 1992 proklamiert. Mit dem Dayton-Friedensabkommen von 1995 wurde die Republika Srpska als eine von zwei Entitäten des Staates Bosnien und Herzegowina anerkannt und umfaßt seither ca. 49% des Territoriums Bosnien und Herzegowinas, das sind etwa 25.053 km2. Sie erstreckt sich im Nordwesten sowie im Osten Bosnien und Herzegowinas. Die Republika Srpska hat ca. 1,4 Mio Einwohner. Mit 93 Prozent stellen die orthodoxen Serben die größte Volksgruppe. Von den einst 356.000 Muslimen leben hier noch 37.000 und von den 180.000 Kroaten noch 30.000 Menschen; der Anteil der Serben ist seit 1991 um 15 Prozent gestiegen.

Bei unserem Spaziergang am – für uns zwangsweise arbeitsfreien - Mittwoch ist uns die hohe Arbeitslosigkeit aufgefallen, die für die Republika Srpska mit 38,6% beziffert wird [zum Vergleich: Föderation von Bosnien und Herzegowina 41,7%, Gesamtstaat mit 40,6%]. Man könnte natürlich die florierende Schattenwirtschaft berücksichtigen, da viele Menschen sich mit diversen Geschäften behelfen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Gehandelt wird mit kleineren und größeren Handläden und mit allem, was sich irgendwie verkaufen läßt.

Die Republika Srpska verfügt über ein Einkammer-Parlament, genannt Nationalversammlung, mit 83 Abgeordneten und hat einen vom Volk direkt gewählten Präsidenten. Nach den Wahlen vom Oktober 2002 konnten die bisherigen Regierungsparteien SDS und PDP trotz Stimmverlusten erneut zusammen mit der SDA die Regierung bilden; Premierminister ist Dragan Mikerevicá (PDP).

Geschichte von Banja Luka

Der Name Banja Luka wird erstmals im Februar 1494 in einem Dokument des ungarischen Königs Vladislav II als "befestigte Stadt im Distrikt Jajacka (Jajce), die fast unter türkische Herrschaft geraten sei" erwähnt. Der genaue Wortsinn des Stadtnamens ist bis heute umstritten ("der Acker des Bans" ; "Bans Tal am Wasser", obwohl "luka" das serbische Wort für "Hafen" ist). 1582 wurde die Stadt von den Türken eingenommen und erlebte daraufhin eine echte Blütezeit, als der bosnische Pascha seinen Amtssitz von Sarajevo nach Banja Luka verlegte. Pascha Ferhad Sokolovic legte das Fundament zur heutigen Stadt, indem er die Moschee Ferhadija und die Festung des Kastels, sowie noch weitere 200 Bauwerke wie z. B. die Kanalisation, den Uhrturm, ein öffentliches Badehaus, die Grundschule, eine Brücke über den Vrbas und unterschiedlichste Läden erbauen ließ. So hatte die Stadt im Jahr 1655 zweitausend türkische Häuser, 15 Moscheen und 100 orthodoxe oder katholische Häuser und war das Handwerks – und Handelszentrum dieser Region.

Dann jedoch wurde die Stadt in den ständigen Kriegen zwischen der Türkei und Österreich, aber auch durch die Auseinandersetzungen innerhalb der bosnischen Feudalherren immer wieder verwüstet, und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Feuerbrünste, sowie Hunger und Pestepidemien [die vom 1732 forderte siebentausend Menschenleben] führten zu einem Niedergang, und 1737 brannte die Banja Luka in den Kämpfen zwischen den Armeen der Habsburger und der Türken bis auf die Grundmauern nieder.

Viele Völker, viele Kulturen

Im 19. Jahrhundert führten die türkischen Machthaber Reformen durch und stabilisierten dadurch die Lage in dieser Region. Es wurde eine kroatische und eine serbische Grundschule errichtet, ein multinationales Gymnasium und ein serbisch-orthodoxes Priesterseminar eröffnet sowie eine Telefonverbindung nach Sarajevo und eine Eisenbahnstrecke nach Dobrlijn eingerichtet. 1869 kamen Trappisten nach Banja Luka, erbauten ein Kloster und gründeten eine große Mühle, eine Bierbrauerei, eine Textilfabrik und eine Käserei zur Herstellung des bekannten Trappisten-Käses. 1878 wurde auf dem Berliner Kongreß die Besetzung Bosnien-Hercegowinas durch das Habsburgerreich beschlossen. Das geschah relativ friedlich, es gab wenig Widerstand.

Unter dem Protektorat der Donaumonarchie wurde Banja Luka wieder ein Handels- und Industriezentrum und erhielt durch die rege Bautätigkeit ein eher "europäisches" Aussehen. 1879 wurde das Spital, 1888 eine Tabakfabrik eröffnet und 1891 erfolgte der Anschluß an die Bahnverbindung Wien – Budapest. Laut einer Volkszählung von 1895 hatte Banja Luka damals 13.566 Einwohner. Obwohl die österreichischen Behörden nicht allzu repressiv agierten, kam es natürlich auch in Bosnien zu Aufständen gegen die Besatzer und zu sozial bedingten Unruhen [einer der Wortführer dieser Widerstandes war der Schriftsteller Petar Kocic], was während des ersten Weltkrieges zahlreiche Prozesse gegen serbische Widerstandskämpfer zur Folge hatte.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Banja Luka ein Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, war erst ein Teil der bosnischen Kraijna und ab 1929 die Hauptstadt des Vrbas Distrikts. Der erste Ban dieses Distrikts, Svetislav Milosavljevic, ließ zwei Regierungspaläste, die Volksbühne, eine orthodoxe Kirche und das ethnografische Museum erbauen. Svetislav Milosavlejevic ist auch eine permanente Ausstellung seiner Amtszeit im Regierungsgebäude gewidmet. Während der 30er Jahre war Banja Luka das Organisationszentrum für antifaschistische Aktivitäten, besonders im Studentenverein und der Organisation Pelagic. Im zweiten Weltkrieg besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt, die daraufhin unter kroatische Verwaltung kam und sehr unter dem Terrorregime der kroatischen Ustascha litt. Banja Luka wurde sowohl von deutschen als auch von den alliierten Truppen bombardiert. Am 22.04.1945 wurde die Stadt von Marschall Titos und seiner Partisanenarmee eingenommen, und dieser Tag wird noch heute als Tag der Befreiung gefeiert.

Im jugoslawischen Bundesstaat wurde Banja Luka zu einem starken Wirtschaftszentrum und zu einer Universitätsstadt ausgebaut. Von einem schweren Erdbeben am 26. und 27. Oktober 1969 heimgesucht, waren 15 Todesopfer und über tausend Verletzte zu beklagen. Die Stadt wurde schwer beschädigt. In nur fünf Jahren konnten die Schäden an den Gebäuden allerdings wieder behoben und die Denkmäler restauriert werden.

Der Bürgerkrieg

Im bosnischen Bürgerkrieg war Banja Luka zwar nicht direkt von Kampfhandlungen betroffen, aber die Regierung der SDS, der Serbisch demokratischen Partei, die die Wahlen von 1990 gewonnen hatte, fuhr eine brutal nationalistische Linie und konzentrierte sich vollkommen auf die "Verteidigung der Interessen des serbischen Volkes".

Die Moschee Ferhadija vor und nach dem Bürgerkrieg

Als erstes wurden Direktoren der öffentlichen und staatlichen Firmen, wenn sie der nicht-serbischen Bevölkerung angehörten oder nicht "linientreue" Serben waren ausgetauscht, dann begann die "Entfernung" aller Beschäftigten, die nationalen Minderheiten angehörten von ihren Arbeitsstellen. Es folgte die allgemeine Mobilmachung und alle, die sich nicht freiwillig meldeten, verloren nicht nur ihre Arbeitsstelle, sondern auch das Recht auf ihre Wohnung. Viele kroatische und muslimische Männer wurden verhaftet und in Lager verschleppt, die Frauen wurden schikaniert, eingeschüchtert und mißhandelt. Wer die Stadt verlassen wollte, mußte hohe Gebühren zahlen, ihm wurde das Recht auf Wiederkehr abgesprochen und im Dokument wurde vermerkt, daß das Verlassen der Stadt freiwillig erfolgt ist.

Alle sieben Moscheen, auch die berühmte Ferhadija (die als Weltkulturerbe unter dem "Schutz" der UNESCO steht), wurden ebenso wie viele katholische Kirchen zerstört. Die Züge mit den Deportierten aus den nordbosnischen Gebieten um Prijedor und Kozarac fuhren durch Banja Luka zu den Konzentrationslagern von Omarska, Keraterm und Trnopolje, die unter dem Kommando des berüchtigten Polizeichefs von Prijedor Simo Drljaca gestanden sind. [Literaturhinweis: Das Buch Keraterm des bosnischen Schriftstellers Muhidin Saric, der die Ereignisse um das Gebiet seiner Heimatstadt Prijedor und seinen viermonatigen "Aufenthalt" im serbischen Konzentrationslager Keraterm beschreibt.]

Städte – so nahe beieinander und doch durch Welten getrennt

Nach der Unterzeichnung des Dayton Abkommens im Dezember 1995 wurde Bosnien Hercegowina in die Förderation Bosnien-Hercegowina und die Republika Srbska zweigeteilt. Zwischen den beiden Teilgebieten der Republika Srbska besteht übrigens keine territoriale Verbindung. Der wenige Kilometer breite Korridor bei Brçko, durch den sie in der Vergangenheit miteinander verbunden waren, gehört heute zum Distrikt Brcko, der unter internationaler Verwaltung steht.

Im Mai 1997 wäre es fast zu einem internen Krieg in der Republika Srbska gekommen, als sich verschiedene Gruppen der serbischen Parteien bekämpften und zu einem Sturm auf Banja Luka ansetzten. Bei den Wahlen haben sich meist die nationalistischen Parteien durchgesetzt, und so verwundert es nicht, daß im Mai 2000 sogenannte "spontane Volkserhebungen" den Wiederaufbau der Moschee Ferhadija verhindert haben, im Zuge derer es wieder zu zahlreichen Übergriffen gegen bosnische Moslems und diesmal auch Albanern gekommen ist.

Nach den Verfassungsänderungen vom April 2002 und nach den Wahlen vom Oktober 2002 gehören der Regierung der Republika Srpska erstmals Bosniaken und kroatische Bosnier an. Es gibt außerdem eine sehr mutige Tageszeitung: Nezavisne Novine (Unabhängige Zeitung), die sich nicht scheut, das Netzwerk von Gangstern, Geheimdienstlern, Angehörigen von bewaffneten Sondereinheiten, pensionierten und aktiven Armeeoffizieren zu benennen, das besonders in der Republika Srbska aufgebaut wurde und das die Ermordung des serbischen Regierungschefs Zoran Djindic mitorganisiert hat. Eine fortschrittliche Initiative ist auch die 1997 gegründete Frauenorganisation Zenska Akcija Vidra, die sich um die Rechte der benachteiligten Frauen, meist muslimischer, und kroatischer Abstammung, aber auch von Serbinnen, die in gemischten Ehen leben, kümmert. bl

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