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Lauter Wettbewerb - eine Nagelprobe

Die EU-Kommission tritt für freien Wettbewerb ein. Diesen sieht sie durch nationale Verwertungsgesellschaften offenbar gefährdet.

Brüssel/Wien (8. Juli 2007) - Drei Parteien mit manchmal gegenläufigen Interessen sitzen einander gegenüber: Die Musikschaffenden [in diesem Fall: die Urheberinnen und Urheber], die Verwertungsgesellschaften [AKM, GEMA, SUISA usw.], über die viele Komponisten ihre Rechte wahrnehmen lassen, und, als dritte im Bunde, die transnationalen und nationalen Rechtennutzer, sprich: die Plattenfirmen.

Für letztere geht es um die - möglichst günstige - Lizensierung von Tonträgern, wie sie in Österreich von der Austro Mechana abgewickelt wird. Mechanische Lizenzen stellen für Komponistinnen und Textautoren einen wichtigen Bestandteil ihres Einkommens dar. Für jede legal vervielfältigte CD gibt es Geld, zuletzt rund 9 Prozent des Händlerlistenpreises, abzüglich Spesen.

Die Segmentierung in nationale Verwertungsgesellschaften ist der EU-Kommission offensichtlich ein Dorn im Auge. Während sich diese Lizensierung im Bereich der CDs aber ohnehin von Österreich nach Deutschland verlagerte – was ORF-Mitarbeiter zu der irrigen Annahme verleitete, österreichische Musikschaffende seien GEMA-Mitglieder – und mittlerweile beim Billigbieter in Holland angesiedelt ist, bleibt das Musikangebot im Internet unübersichtlich.

Wettbewerb heißt das Zauberwort

Wettbewerb heißt das Zauberwort für die EU-Kommission. Die unsichtbare Hand des freien Marktes soll alle Probleme lösen. Auch bei der Online-Lizensierung.

»The Internal Market should be a competitive environment to the benefit of both authors and commercial users. This should reduce the administration cost of having access to content that is copyright protected without reducing the income for Europe's creators.«

Auf gut deutsch: Die Verwertungsgesellschaften sollen auch hier in einen Wettbewerb treten, und das, obwohl sie durch Gegenseitigkeitsverträge aneinander gebunden sind. Wer verkauft die Musik billiger an die Labels? Es soll und wird gespart werden: vor allem bei den Musikschaffenden! Zum Wohle aller. Gleichzeitig erklärt die EU, daß das Einkommen von Europas Schaffenden nicht geschmälert werden solle. »Dazu wird es mehr als ein Wunder benötigen«, meint ein stadtbekannter Skeptiker.

v.l.n.r.: Patrick Doyle (Filmkomponist), Laurent Petitgirard (Filmkomponist), Robin Gibb (Bee Gees), David Ferguson (ECSA) Fotos: Trimedia Brüssel

Appell einer Allianz

Nun hat sich eine Allianz aus Musikschaffenden, ECSA -­ the European Composer & Songwriter Alliance, an den EU-Kommissonspräsidenten Barroso gewandt - und wurde zu einer Sitzung des Kabinetts eingeladen. Im Anschluß daran teilte sie der Öffentlichkeit ihre Besorgnis mit:

»Herr Präsident Barroso, jetzt ist der Zeitpunkt, da wir Ihre politische Führung benötigen. Hunderte und tausende Existenzen von Urheber/innen und kleinen und mittleren Verlegern stehen ohne Ihre Hilfe auf dem Spiel.

Wir glauben, daß die Strategie der Kommissionspolitik zu einem dauerhaften Schaden für uns alle in Europa – sowohl kulturell, sozial als auch ökonomisch – führen wird. Wir bitten Sie daher auf das Dringlichste, an diesem Punkt der Verhandlungen eine Pause zu gewähren, und wirklich alle Seiten und Interessen der Musikwirtschaft, einschließlich uns, der Urheber/innen von Musik, zu berücksichtigen, damit wir gemeinsam mit Ihnen eine positive Richtung für die Wertigkeit der Kreativität des Musikschaffens in einem digitalen Europa formulieren und einschlagen können.«

Die Allianz befürchtet, die EU-Kommission könnte zugunsten der global agierenden Medienkonzerne entscheiden und im sog. CISAC-Case einer Beschwerde recht geben, die einen Wettbewerbsverstoß der Verwertungsgesellschaften bei der bei der multi-territorialen Lizenzierung von Musikrechten in den Bereichen Online, Satellit und Kabel zum Inhalt hat.

Bekannte Musiker unterstützen die Initiative

Benny Anderson, Charles Aznavour, Pedro Almodovar, James Blunt, Miguel Bose, Patrick Doyle, Bryan Ferry, Robin Gibb, David Gilmour, Julio Iglesias, Maurice Jarré, Marc Knopfler, Michel Legrand, Paco de Lucia, Sir Paul McCartney, Ennio Morricone, Krysztof Penderecki, Nicoal Piovani, Sade, Alejandro Sanz, Caetano Veloso und Gabriel Yared als prominente Vertreter dieser Allianz fanden zumindest Gehör. »Folgt die EU-Kommission ihrer Warnung, wird der ärgste Schaden vermieden, verwirft sie jedoch die Bedenken, gehen die Verwertungsgesellschaften mangels überlebender Komponisten zugrunde«, zeigt Peter Paul Skrepek, Präsident der Musiker-Komponisten-AutorenGilde, die Konsequenzen der bevorstehenden Entscheidung auf.

PS: Der komparative Vorteil ist ein Prinzip des freien Welthandels, nach dem Motto: "Wozu brauchen wir Musikschaffende in Europa? Die Musik kommt ohnehin aus USA."


Glossar: Die ECSA ist eine Lobbyorganisation europäischer Komponisten aller Stilrichtungen. Mit Klaus Ager, dem Präsidenten des ÖKB, führt derzeit ein Österreicher den Vorsitz. Quelle: OTS des Österreichischen Komponistenbundes.


Zum Nachlesen: Reform, Reform [12. Jänner 2006]
Wettbewerb der Verwertungsgesellschaften [28. September 2005]
Die Zerstörung einer Musikkultur I und II [31. Jänner 2005]

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