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Warum machen wir das?

Unfreiwillige Beobachtungen am Rand eines dreieinhalbstündigen Konzertes in Wien. Begeisterndes Publikum in der überwältigten Mehrheit.

Wien (16. Oktober 2012) - Was wird vom Künstler erwartet?
Vom Künstler wird erwartet, daß er sein Herzblut gibt. Daß er sich selbst das Messer in den Bauch sticht und auf offener Bühne verendet. Nur dann ist er für den geborenen Theoretiker intellektuell akzeptabel. Beim Rest – also bei der Mehrheit des Publikums – werden wenigstens Schaulust und Sensationsgier befriedigt [bei anderen gar nichts].

Die Band geigt wie die Löwen. Das Publikum tobt dementsprechend, und der Sänger singt sich die Seele aus dem Leib. »Warum machen wir das?«, fragt er die Zuhörer zwischen zwei Liedern. »Weng an Göd!«, antwortet ein mittlerer Herr, der offensichtlich auch keine Erbschaft gemacht hat, abfällig. Er kennt ja sein Motiv.

Der Künstler soll keine Forderungen stellen

»Wahre Künstler hungern und sterben auf der Bühne – für uns!«, schallt es ihnen entgegen, und einige auf höchstem Niveau uninformierte Primaten mit ungleichmäßig verteilter Erkenntnisfähigkeit grinsen wissend ins Nichts.

In gut geheizten, subventionierten Werkstätten sitzende, große Denker erteilen aus ihren abgesicherten Positionen den Freischaffenden wohlmeinende Ratschläge. Wirkliche Künstler müssen darben. Sie zu bezahlen, sei der falsche Weg, künstlerische Leistungen wertzuschätzen und künstlerische Existenz materiell abzusichern. Also äußern sie erhabene Gedanken und dekretieren vom Olymp ihrer Excellenz, wie Künstler politisch korrekt zugrunde gehen sollen.

Applaus! Die Künstler verneigen sich in dankbarer Demut. Vorhang! pps

PS: Die Ertrinkenden werden höflichst gebeten, zurückhaltend und konstruktiv um Hilfe zu rufen. Und, bitte, möglichst nicht drängeln, wir wollen zuerst noch die Rettungsvorschriften verbessern.

Samstag Abend, unser Plakat in der Szene Wien: 1 Stück Publikum zeigte unter Einsatz seiner vollen geistigen Fähigkeiten sein Verständnis für unseren Hilferuf. Foto: PPS

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