Musiker-, Komponisten & Autorengilde
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Ganz unten – eine Versenkung

Mit 3,17 Prozent Anteil österreichischer Kompositionen hat Ö3 im Jahr 2013 das niedrigste Niveau seit seiner Gründung erreicht. Eine Bestandsaufnahme mit drei Logbucheintragungen.

Wien (4. Juli 2014) - Während die Ö3-Musikredaktion nach eigenen Angaben "weiter auf gute österreichische Produktionen wartet, um sie zu senden", zeigt die aktuelle Statistik der AKM einen Niedergang ohne Beispiel: Werke von AKM-Bezugsberechtigten wurden im vergangenen Jahr nur mehr zu 3,17 Prozent im Musikprogramm des Hitradios berücksichtigt. Damit unterbietet Ö3 den bisherigen Minusrekord aus dem Jahr 2000: damals waren es 3,93 Prozent.


Entwicklung Ö3 1998 bis 2013
Grafik vergrößern    Quellen: AKM-Sendezeitstatistik – ORF-interne Statistik

1. Kein Platz im Formatradio

Der erste Versenkungsversuch startete 1995. Musikchef Bogdan Roscic reduzierte den heimischen Anteil von 23,5 Prozent in nur drei Jahren auf 5,29 Prozent. Analog sanken auch die Interpretenanteile dramatisch von rund 35 auf 8 Prozent.

Nach seinem Aufstieg zum Ö3-Chef stellte sich Roscic auf Einladung der Musikergilde im Dezember 1996 einer öffentlichen Diskussion in der Wiener Stadtintiative, die vom zahlreich erschienenen Publikum sehr heftig geführt wurde. Es folgten weitere Debatten, die Gründung der Bürgerinitiative Österreichische Note, die Übergabe einer Petition an den damaligen Nationalratspräsidenten Dr. Heinz Fischer, eine große Musikerdemonstration im Sommer 1997 und eine Anhörung im Parlament, bei der auch ORF-Generalintendant Gerhard Weis und Bogdan Roscic befragt wurden. Tatsächlich ging es danach kurz wieder aufwärts. Zum einmaligen Ausreißer dürfte jedoch auch der tragische Tod von Falco beigetragen haben.

2. Die Nuller-Jahre

Dann, im Jahr 2000, traf der zweite Torpedo das Produktionsdepot: 3,9 Prozent Schlagseite. Ein Jahrzehnt lang stagnierte das gesamte ORF-Radio auf niedrigem Niveau. Mit Ausnahme von Radio Burgenland blieben auch die Regionalprogramme meist deutlich unter der Zwanzig-Prozent-Marke. FM4 changierte zwischen 13 und 26 Prozent, Avantgarde und Jazz zusammen erreichten auf Ö1 im schlechtesten Jahr ebenfalls nur rund 13 Prozent.

Massive Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Note und die ständige Thematisierung des Problems im ORF-Publikumsrat durch den Autor dieser Zeilen als Kunstvertreter zeigten Wirkung. Die Anteile stiegen um rund zwei Prozentpunkte – um nach dem erzwungenen Ende dieser Aktivitäten erneut zu sinken und mit 14,15 Prozent [CD-Musikprogramm aller ORF-Radios im Schnitt] 2008 den absoluten Tiefstwert zu erreichen.

Kulturgewerkschaft und Musikergilde luden in einer Pressekonferenz im Sommer 2006 die neue ORF-Geschäftsführung erneut zu einem Dialog nach dem Vorbild der Schweiz ein. Es dauerte weitere zwei Jahre bis zur großen Musik-Enquete [zum Video] im Parlament, als deren Resultat ein Auftrag der Politik an die ORF-Führung erging, mit den Musikschaffenden über eine Lösung zu verhandeln. Eineinhalb Jahre später trat als Ergebnis dieser Verhandlungen mit der neugegründeten Plattform SOS-Musikland die Charta für österreichische Musik in Kraft.

3. Fangschuß

Nun, ab 2010, ging es spürbar bergauf! Doch während die Landesstudios seither mehrheitlich die Anteile österreichischer Musik kontinuierlich weiter erhöhen, war der anfängliche Elan bei Ö3 und auch bei Radio Wien bereits nach einem Jahr wieder vorbei. Radio Wien pendelte sich bei sieben Prozent ein – zum Vergleich: 1982 waren es 43 (!) Prozent –, und ab 2011 feuerte Ö3 eine dreijährige Breitseite: Die Popmusik aus Österreich ging im Formatsumpf unter und versank buchstäblich ins Bodenlose.

Kompositionsanteile ORF Radio 2012-2013
Grafik vergrößern   Quellen: AKM-Sendezeitstatistik, Programm-Musik U

Schluß mit dem "lustigen Musikerversenken"!

Die freiwillige Selbstverpflichtung des ORF hat in wesentlichen Bereichen nicht funktioniert. Daher fordern wir den Gesetzgeber auf, endlich zu handeln. Wir verlangen die unverzügliche Beendigung der gesetzwidrigen Beratungsdiktatur und die verbindliche Einhaltung des Europastandards von 40 Prozent heimischen Musikschaffens. Mindestens – und sofort!


PS: Der Aufforderung Bitte leise schreien! können Ertrinkende nicht folgen. pps

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